Köln Marathon

Soll ich oder soll ich nicht? Lange habe ich überlegt, ehe ich mich schließlich Ende Juni 2002 für den Köln Marathon angemeldet habe. Richtig regelmäßig lief ich erst seit Anfang April. Also nach 6 Monaten bereits einen Marathon, ob ich das schaffe? Etwas skeptisch war ich doch. Aber ich habe ja auch einen Dickkopf und bin sehr ehrgeizig. Zunächst schaffte ich mir ein Marthontrainingsbuch an und hielt mich mit meinem Training an das Programm, welches als Ziel "durchkommen" hatte.

In der Vorbereitung bestritt ich dann zwar mehr Wettkämpfe als im Programm vorgesehen waren, aber die Zeiten bei den Halbmarathons stimmten. Außerdem machte ich auch viele lange Läufe, genau so wie es das Programm vorschrieb.

Zweifel kamen dann doch auf, weil ich manchmal schon nach 30 Minuten k.o. war. Das lag aber wohl auch manchmal am Stress bzw. daran, dass ich nicht selten mit vollem Magen gelaufen bin.

Irgendwann war dann der 6. Oktober da. Ich war schon froh, weil danach der Druck des Trainings weg sein würde. Und außerdem hatte ich auch keine Lust immer lange Strecken laufen zu müssen. Andererseits hatte ich natürlich auch mächtig Bammel.

Donnerstags holten wir auf der Marathonmesse die Startunterlagen ab, sonntags startete dann der Marathon. Das Wetter war nicht gerade toll. Sehr windig, aber immerhin regnete es nicht zu stark.

Im Startblock selber mussten wir dann noch einige Zeit warten, bis es tatsächlich losging. Es lief dann auch alles super. Zunächst sah ich die Kilometermarkierungen gar nicht, so dass ich nicht wusste wie schnell ich war. Bei Kilometer 7 habe ich dann irgendwann mitbekommen, dass die Schilder hoch oben an Bäumen befestigt waren. Ich lag zu diesem Zeitpunkt voll im Soll. Auch bei km 10 wunderte es mich, dass ich so einfach den 5er Schnitt halten konnte. Ich war gar nicht mal groß k.o..

Das wurde bei der Halbmarathonmarke dann schon anders: 1:47. So langsam merkte ich meine Beine. Aber die Hälfte war ja schon geschafft.

Heimlich rechnete ich mir dann schon eine super Zeit aus. Mir wurde aber bald klar, dass der Mann mit dem Hammer kommen würde. Mein Ziel unter 4 Stunden zu bleiben, schien aber nicht völlig unrelistisch.

Bei Kilometer 27 wurden meine Beine immer schwerer. Jetzt wusste ich auch, wie das mit dem Mann mit dem Hammer gemeint war. Es wurde immer anstrengender. Ich merkte auch wie ich deutlich langsamer wurde. Eigentlich wurde ich nur noch überholt.

Zu dieser Zeit trank ich auch meine Gels und ließ die Getränkestationen aus. Als mir dann klar wurde, dass ich irgendwie ins Ziel kommen würde, war ich nur noch glücklich. Ich dachte mir immer wieder, "Mensch Du läufst gerade einen Marathon". Das Gefühl lässt sich nicht beschreiben. Ich denke jeder Marathonläufer kennt das. Der erste Marathon ist schon was besonderes.

Wenn ich jetzt so den Lauf Revue passieren lasse, bekomme ich schon wieder eine Gänsehaut und würde am liebsten dieses Jahr noch einen Marathon laufen. Aber eigentlich will ich diesen Herbst mal pausieren und meine Knochen schonen....

Schließlich hatte ich auch das schlimme Stück in Nippes geschafft, wo nur sehr wenig Zuschauer an der Strecke waren. Wir liefen langsam wieder in Richtung Zentrum. Und da ging die Post ab. Vergessen waren meine Rückenschmerzen, es tat dann auch am Ende eh alles weh. Der letzte Kilometer war dann einfach nur noch super. In dem Moment war ich zwar sehr k.o., so dass man die Zuschauermassen und die Stimmung gar nicht richtig genießen konnte. Aber so im Nachhinein war es einfach nur genial.

An der Strecke erkannte ich dann auch noch meine Schwester, meinen Schwager und seine Familie, die mich anfeuerten.

Die letzten Meter waren dann auch nicht mehr ganz so schwer und schließlich hatte ich es geschafft. 3 Std. 52 und 56 Sekunden. Ich war richtig stolz, beim ersten Marathon unter der 4 Stunden Marke geblieben zu sein. Ich schwor mir im Ziel aber auch, dass ich nie wieder einen Marathon laufen würde. Im Ziel musste ich mich erstmal hinsetzen, weil meine Beine so zitterten. Einige Freudentränen kamen dann auch.

Mein treuer Streckenposten, der mich mehrmals zwischendurch mit Getränken versorgte, was gerade am Ende super war, weil man sonst an den Ständen aus dem Laufrhythmus gerissen wird, erwartete mich dann auch im Zielbereich am Dom.

Nachdem ich mich dann gefangen hatte, ging der Kampf um die Getränke los. Leider gab es zunächst nur Brühe. Aber auch die trank ich tapfer, denn ich hatte wirklich Durst. Irgendwann entdeckte ich dann auch einen Colastand, an dem ich erstmal etwas verweilte. Außerdem gab es noch allerhand an Essen, sogar Schokolade. Mir war jedoch wirklich nicht nach Essen....

Inzwischen bin ich meinen zweiten Marathon in Würzburg gelaufen (jaja, der Vorsatz mit dem nie wieder Marathon war schon am nächsten Tag vergessen) und weiß nun das kalte "Buffett" von Köln zu schätzen. Auch die Verpflegung auf der Strecke war super. Allerdings habe ich davon keinen Gebrauch gemacht. Das wird nächstes Mal aber anders sein...

Schließlich stellte ich mich noch am Massagezelt an. Die Duschen waren in einem Zelt untergebracht und hatten auch was...

Als wir dann zu Hause waren, merkte ich dann schon ,dass meine Beine "etwas" schmerzten. Allerdings konnte ich die Treppen noch ganz normal vorwärts runtergehen.....

Montag hatte ich dann frei. Das war auch besser so, denn mit Bewegen war nicht so viel. Am Dienstag und Mittwoch hatte ich dann auch noch Muskelkater, aber glücklicherweise gabs auf der neuen Dienststelle ja einen Fahrstuhl.... Ab Donnerstag war es dann halbwegs erträglich.

Ich kann hier nur empfehlen, den ersten Marathon bei einer Großveranstaltung zu absolvieren. Das ist einfach genial, mit vielen Zuschauern am Rande, kommt man sich selbst als langsamer Läufer wie ein Spitzenläufer vor.